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Interviews

Ken Loach

Filmographie Ken Loach

Just a Kiss (2004)
Sweet Sixteen (2002)
Th e Navigators (2001)
Bread and Roses (2000)
My Name Is Joe (1998)
Carla’s Song (1996)
Land And Freedom (1995)
Ladybird Ladybird (1994)
Raining Stones (1993)
Riff Raff (1990)
Hidden Agenda (1989)
Fatherland (1985)
Looks And Smiles (1980)
The Gamekeeper (1979)
Black Jack (1978)
Days Of Hope (1974/6)
Family Life (1972)
Kes (1970)
Poor Cow (1968)
Cathy Come Home (1966)
Up the Junction (1965)

Seit 1964 hat Loach viele Fernsehdramen
und Dokumentarfilme gedreht.

Mein Interesse für die irische Geschichte begann mit Jim Alters „Days Of Hope“, einer Geschichte über einen Soldaten, der sich freiwillig für den ersten Weltkrieg meldet, jedoch nach Irland geschickt wird anstatt nach Frankreich. Mein Film „Hidden Agenda“ handelte von gegenwärtigen Ereignissen in Nordirland, aber wir fühlten schon damals, dass diese Ereignisse, ohne zu wissen wie Irland geteilt wurde und wie dieser Konflikt entstanden ist, nicht verstanden werden können. Das, was zwischen 1920 und 1922 in Irland geschah, ist eine jener Geschichten, die bis heute nachwirken. Wie der spanische Bürgerkrieg war es ein historischer Wendepunkt. In dieser Zeit zwischen 1920 und 1922 ist ein langer Unabhängigkeitskampf in dem Moment seines Erfolges vereitelt worden. Die Kolonialmacht wollte unter allen Umständen ihre strategischen Interessen wahren, und es ist vor allem der Verschlagenheit von Politikern wie Churchill, Lloyd George und Birkenheat zu verdanken, dass dies gelang. Als sie sich in die Ecke gedrängt fühlten und es nicht mehr in ihrem Interesse war, die Unabhängigkeit mit aller Macht zu verhindern, versuchten sie, das Land zu spalten, indem sie diejenigen unterstützten, die nichts an den ökonomischen Machtverhältnissen ändern wollten. Das ist ein Muster, das immer wiederkehrt, eine Art Manipulation der herrschenden Macht, die sich die verschiedenen Interessen der von ihr Beherrschten zu nutze macht. Was war 1922 möglich? Hätten die „Anti-Vertrags- Kräfte“ gewinnen können und in welche Richtung hätten sie Irland gelenkt? Nur fünf Jahre vorher wurde die Unabhängigkeitsbewegung von dem Marxisten James Cornelly angeführt und war vom Klassenkampf motiviert: „the cause of Ireland is the cause of labour“. Im Gegensatz dazu stehen die Folgen, die aus dem Unabhängigkeitsvertrag resultierten. Die andauernden harten Lebensumstände zwangen die Menschen zu Tausenden, nach England und Amerika auszuwandern. Die Teilung Irlands mußte unvermeidlich zum Krieg im Norden und zur Unterdrückung der zivilen Bürgerrechte führen. Ich war erstaunt, wie vertraut noch immer diese Argumente in und um Cork herum sind, wo wir den Film drehten. Offensichtlich ist es noch immer sehr gegenwärtig, weil dort immer noch die gleichen Schlachten ausgetragen werden. Ich dachte, im Süden wäre es verblasst, aber wir trafen immer wieder Leute, die Geschichten zu erzählen hatten. Die meisten Leute kannten die Namen der beteiligten Personen und hatten Kenntnisse über Daten und Ereignisse. „Ein Tan wurde über dieses Feld hier gejagt.“ So bleiben die Erinnerungen länger bestehen, als man denkt. Ich würde den Film dennoch nicht als antibritisch bezeichnen. Ich rege Leute an, ihre Loyalitäten „horizontal“ über nationale Grenzen hinaus zu erkennen, also ist es kein Film über Briten, die Iren abschlachten. Menschen haben mit anderen Menschen in anderen Ländern, die in der gleichen sozialen Klasse leben, mehr gemeinsam, als mit denjenigen an der Spitze ihrer Gesellschaft. Wir haben eine Verantwortung, die Fehler und Brutalität unserer Führer zu attackieren, gestern genauso wie heute. Weit entfernt unpatriotisch zu sein, ist das eine Pflicht, die wir nicht ignorieren können. Es ist interessant, dass Tony Blair vor kurzem über den Antiamerikanismus diskutiert hat. Dabei setzte er die amerikanische Regierung mit dem amerikanischen Volk gleich und meinte, dass man nicht die amerikanische Regierung kritisieren solle, weil man damit zugleich die Bevölkerung kritisiert. Dieses Argument ist falsch, und daß es so häufig benutzt wird, macht es nicht richtig. Die Briten haben ein schreckliches Vermächtnis in Irland zurückgelassen, und für die progressiven Kräfte hatte der Vertrag furchtbare Konsequenzen. Aber trotz dieser und trotz des Leidens, das hier in Bildern dargestellt wird, bleibt die Tatsache, dass die Briten abgezogen sind. Darin steckt für mich ein Funken Hoffnung.